Tagebuch – August / September 2018

Sonntag, 15. Dezember

Lektüre: Uwe Johnsons Jahrestage. Suhrkamp Taschenbuch, 1700  Dünndruckseiten. Biegsam, angenehm zum Anfassen und Blätterumschlagen (welch letzteres mit einem leichten Schwung geschehen muss). Aber leider nur geleimt, mit vielen Bruchstellen, so dass das Buch mehr und mehr auseinanderfällt, was eigentlich mit keiner Bibel, die es ja ist, geschehen darf, vielleicht aber doch so sein soll.

Seit Wochen ein Sich-durch-Ringen, ein Versinken im uferlosen Namenarsenal. Ohne Namen-Lexikon (http://literaturlexikon.uni-saarland.de/index.php?id=196) und andere Hilfen gibt's kein Durchkommen. Ellenlange Gespräche mit Dutzenden von Andeutungen, die ich nur zum Teil verstehe. Abertausende von Details. Geteiltes Deutschland immer wieder Parallel dazu die aktuelle amerikanische Gegenwart von 1967/68 mit dem Mord an Robert Kennedy, Vietnam usw. Politdialoge zwischen der Mutter und ihrer zehnjährigen Tochter in nervender Unnatürlichkeit. Wie viele haben dieses Buch wirklich gelesen?

Was hält mich weiterhin dabei, nachdem ich es schon vor Jahren weggelegt, mehrmals, und jetzt erst wieder darauf gestoßen bin? Die schiere Fülle, das Chaos, die Vergeblichkeit, es in den Griff zu bekommen? Oder einfach das beharrlich Sperrige in einer kommunikationssüchtigen Zeit?