Tagebuch April 2014

Montag, 14. April 2014

Tatsächlich habe ich Heideggers Schwarze Hefte zum Geburtstag erhalten. Im voraus (was ja eigentlich nicht erlaubt ist). Aber wenn man so gespannt ist darauf … und dann die Spannung innerhalb einer Lektürestunde absackt auf annähernd Null …
Also: Ich habe mir verschrieben: täglich eine Portion Heidegger (zwei bis fünf «Überlegungen», «Anweisungen» oder «Winke», Reihenfolge egal), verdünnt mit etwas Wasser einnehmen, notfalls nachspülen. Durchhalten bis mindestens zum Eintritt meines Geburtstages.
 

Dienstag, 15. April 2014

heidegger

Noch zwei Tage Heidegger. Mein Widerstand wächst. Kann man sich ein Buch zum Feind machen? – Bin ich denn der Einzige, der das Tamtam um diesen Mann nicht kapiert?

Heideggers Gesamtausgabe:

16 Bände Publiziertes
47 Bände Vorlesungen
39 Bände Vorträge, «Gedachtes»(!), «Hinweise und Aufzeichnungen»

Macht 102 (sprich: hundertundzwei) Bände. 

Zum Vergleich: die Weimarer Goethe-Gesamtausgabe (der große Goethe!) brachte es inklusive Registerbände (die Briefe abgerechnet) auf 93 Bände, die Historisch-Kritische Gottfried Keller-Ausgabe auf 35 Bände (Vorlesungen, die ergiebigsten Buchfüller, haben meines Wissens weder Goethe noch Keller gehalten).

 

Mittwoch, 16. April 2014

Zweitletzter Tag mit Heidegger. Mein Verdacht verstärkt sich, dass der Mann ein neuer Nietzsche sein möchte. Mit robuster Gesundheit allerdings.

Heidegger als Zarathustra, kniend vor Hölderlin («das Höchste, was an Tiefstem im Schaffen der Wahrheit des Seyns erreicht werden kann», S. 346).

Die Besinnung auf die Wahrheit
des Seyns ist das erste Beziehen
des Postens der Wächterschaft
für die Stille des Vorbeigangs
des letzten Gottes.

(Eingangspoesie zu Überlegungen V, ausgedeutscht: «Winke, die Zugewunkenes weiterwinken»)
 

Donnerstag, 17. April 2014

dach


Freitag, 18. April 2014

Karfreitag. — Kinderschreckenstag. Am Tage des Gekreuzigten durften wir (1) nicht umherrennen, (2) nicht lachen, (3) nicht die Eltern ärgern, (4) überhaupt nichts Unernstes tun. Der Karfreitag war zum Sterben vor Langeweile und Traurigkeit.
 

Sonntag, 20. April 2014

Ostern. — An Karfreitag durften wir Kinder nicht lachen, nicht rennen, nichts tun, was uns Spaß gemacht hätte. An Ostern dagegen kam der Osterhase und legte einen Artgenossen (aus Schokolade) und Zuckereier in ein Nestchen von buntem Stroh, das er irgendwo in Haus oder Garten versteckt hatte. Befreiender Schritt vom Christentum zum Heidenbrauch.